Predigt zum Quilt in der Friedenskirche vom 22. Juni 2008

Grundlage meiner Besinnung ist der neue Quilt in unserer Friedenskirche. Ich hatte bei der Übergabe versprochen, mit einer kleinen Predigt diesen wunderschönen Wandbehang hineinzuholen in das Miteinander der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde. Dieses Versprechen löse ich heute gerne ein.

Häuser, viele Häuser. Groß ist die Gemeinschaft, die hier zusammen wohnt. Manche Häuser zeugen mit ihrem Fachwerk von einer langen Traditionskette, in der sie stehen. Altes wird bewahrt und gepflegt. Es vermittelt dem Betrachter das Gefühl der Geborgenheit.

Es sind aber auch modernere Häuser zu finden. Das Leben bleibt nicht im Vergangenen stecken. Dinge verändern sich, Neues kommt hinzu, ohne dem Alten den Platz streitig zu machen. Die meisten Häuser wirken groß, bieten Platz für mehrere Generationen und für Gäste, die willkommen sind.

Wer hier lebt, darf dazugehören, muss nicht außen vor bleiben. Die verschiedenen Häuser zeigen: Man muss nicht von hier sein, um hier Heimat zu finden.

Die Flächen um die Häuser herum sind hell, ohne grell zu sein oder zu blenden. Und nirgends wird das Miteinander der Häuser zerschnitten durch Zäune. Jeder in dieser Stadt auf dem Quilt hat seinen Platz, sein Haus, seine Wohnung, einen Ort der Geborgenheit. Und niemand macht ihm seinen Platz streitig, man muss sich nicht mit Grenzen, mit Abgrenzungen oder mit Gräben voreinander schützen.

Zwischen den Häusern stehen die Bäume. Ausdruck der Schöpfung Gottes. Fest stehen sie, gut verwurzelt. Diesen Bäumen scheint kein Sturm etwas anhaben zu können. Vielleicht, weil die Bäume so wachsen und gedeihen dürfen wie es für sie dran ist. Sie werden nicht in ein für alle gleiches Maß an Größe, Dicke und Art gepresst. Viel Nadelholz ist zu sehen, es ist also ein Ort, der im Sauerland liegen kann.

Viele ganz unterschiedliche Tiere fühlen sich hier wohl, nicht nur die freien, über allem schwebenden Vögel. Pferde sind da, Hund und Katze, Hühner, ein Schwein, sogar eine Maus. Allen geht es wohl gut.

Über allem ein strahlend blauer Himmel – wie ein Lächeln Gottes. Die Wolken verdunkeln nicht dieses Lächeln Gottes, sondern sie verheißen jene Gaben, die dieser Ort mit seinen Tieren, Bäumen und Häusern zum Leben braucht.

Doch wo sind die Menschen? Keiner zu Hause? Ich glaube eher, sind sind alle zusammen an einem Ort, in der Kirche in der Mitte des Städtchens. Hier finden sie all das, was sie gut miteinander leben lässt, in Verständnis füreinander, ohne Angst voreinander. Hier bekommen sie die Ideen, Ermutigungen und Tröstungen, die es ihnen möglich machen, fröhlich und mit Zuversicht im Herzen zu leben.

Für mich ist die hier entworfene Sicht keine Utopie, keine unerfüllbare Phantasie. Sie ist aber auch kein Abbild der Wirklichkeit. Noch gibt es Zäune, noch jagen die einen die anderen, die Katze die Maus und der Hund dann die Katze. Noch werden die Bäume - noch wird die Natur beschnitten und in Raster gezwängt, zerstört oder verschandelt. Noch ist auch der Frieden zwischen den Menschen nicht erreicht, der Frieden, der der Kirche ihren Namen gab. Aber: der Weg zu einem Frieden unter uns und mit Gottes Schöpfung ist möglich. Wir werden dies Ziel hier nicht in Vollendung erreichen, aber wir können ihm näher kommen. Und je näher wir ihm kommen, umso mehr werden wir spüren, wie unser Tun abbildet, wie es einst bei Gott sein wird. Und unser Leben hier wird nicht mehr in erster Linie Mühsal und Sorge sein, sondern Vorfreude und der Beginn des großen Festes. Der neue Quilt ist für mich ein Anreiz. Dort möchte ich hin. Denn dort werde ich Gottes Frieden erfahren. Und wenn ich dieses Ziel vor Augen habe, werde ich ihm näher kommen können, mit kleinen Schritten zwar, aber verlässlich.

Amen.

Peter J. Liedtke