Ansprache von Superintendent Stefan Berk
im Einführungs-Gottesdienst von Pfarrerin Ursula Groß

Liebe Gemeinde,

in diesem Gottesdienst soll die Pfarrerin Ursula Groß in ihr Amt als Klinikseelsorgerin in Bad Fredeburg und Umgebung eingeführt werden. 

Ursula Groß ist keine Wittgensteinerin und keine Sauerländerin. Aber sie bringt viel Erfahrung mit, was Seelsorge und Begleitung von Menschen angeht. Viele Jahre hat sie in Kreuztal gearbeitet, in der Krankenhausseelsorge, im Bereich des Hospizes, in Beratungsgruppen und mit Menschen, die in ihrer Trauer um Angehörige oder Freunde Begleitung brauchten. 

Liebe Frau Groß, wir brauchen Sie hier mit Ihren Gaben, mit Ihren Talenten, mit Ihrer Erfahrung! Denn das Hochsauerland ist nicht nur eine Gegend, die für Wintersport und Freizeitspaß steht. Viele Menschen – vielleicht sogar immer mehr Menschen – suchen sich diese Gegend aus, um an Körper und Seele wieder gesund zu werden. Es sind nicht die einfachen Krankheiten, die Menschen in die Kliniken in und um Bad Fredeburg treiben – und die sind oft schon anstrengend und schwierig genug, weil man merkt, wie empfindlich die eigene Gesundheit ist. Inzwischen wissen wir, wie wichtig es ist, dass wir einen Menschen nicht nur körperlich oder nur psychisch behandeln und betreuen. Ganzheitlichkeit ist mehr als nur ein modernes Wort. Ganzheitlichkeit meint, den Menschen als Ganzes in den Blick zu nehmen – so, wie es Gott selber durch Jesus Christus tut. Vergebung von Sünde und körperliche Heilung waren für Jesus eine Einheit, also die Befreiung von den Lasten der Schuld, des Versagens, des Gefühls, nicht mit zu kommen, zu langsam, zu schwach, zu dumm zu sein – und gleichzeitig die körperliche Gesundung, das Gespür dafür, eins zu sein mit dem Körper, den ich habe, mit der Kraft, die ich hier und jetzt einsetzen kann.

Sie, Frau Groß, haben sich für diesen Gottesdienst einen Satz aus einer Heilungsgeschichte ausgesucht, eine Frage, die Jesus stellt. Ich will darauf hier nicht weiter eingehen, weil das in Ihrer Predigt vorkommen soll und wird. Aber ich glaube es wäre gut, wenn wir hier, an dieser Stelle, darauf achten, dass Jesus eine Frage stellt. Denn das Fragen gehört zu den Hauptaufgaben Ihrer Arbeit. So, wie Jesus die Menschen nicht mit fertigen Konzeptionen, mit umfassendem Wissen konfrontiert und sie nur zu Statisten in einem göttlichen Spiel macht, so ist es auch Ihre Aufgabe, die Menschen zu fragen: nach dem, wer sie sind, nach ihrer Lebensgeschichte, nach ihren Sorgen und Nöten. Seelsorge fängt damit an, dass wir offene Ohren, offene Augen und ein offenes Herz für die Menschen haben, die uns begegnen. Und wenn unsere Offenheit beantwortet wird, wenn Menschen offen werden für Neues und so selbst anfangen zu fragen, dann erst ist es an der Zeit, zu raten, Wege aufzuzeigen, Erfahrungen weiterzugeben und von Gott zu erzählen und seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen. 

Ihnen, Frau Groß, werden diese Menschen hier in Bad Fredeburg und in den anderen Dörfern und kleinen Städten im Umkreis begegnen. Es werden ganz unterschiedliche Menschen sein – Menschen, die wieder auf die Beine kommen wollen, die in dunklen Tälern Wege ins Licht suchen, Menschen auch, die hier ihren Lebensabend verbringen und über die Umstände des Altwerdens nicht glücklich sind. Das sind Menschen, die auf der Suche sind.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei der Suche helfen können, dass Ihre Erfahrungen im eigenen Leben, aber auch in Ihrer bisherigen Arbeit wie ein Kompass wirken möge, vielen Menschen bei dieser Suchen nach Leben und Lebensraum zu helfen, zu begleiten. Und ich wünsche den Gemeinden, den Kliniken, den Altenheimen und unserem Kirchenkreis, dass Sie diesen Weg fröhlich gehen, weil Sie sich getragen wissen von dem, der Licht des Lebens ist, der unentwegt segnet, der Herr ist und bleibt über Leben zu aller Zeit.

Schenke Gott Ihnen einen guten Weg – hier bei uns in Bad Fredeburg und weit darüber hinaus. Und Sie alle, die ab heute mit Pfarrerin Ursula Groß zu tun haben, bitte ich, sie mit offenen Armen und offenen Gedanken zu empfangen, damit Ihre gemeinsame Arbeit Menschen zugute kommt. Und für unseren Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein verspreche ich, dass diese besondere Form der Seelsorge, für die auch Ursula Groß steht, eine deutliche Rolle auch in Zukunft spielen wird.

Amen.